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Artenschutz in schwindelerregender Höhe

22.05.2022 – 09:42

Seit 2001 wird der 22. Mai als Internationaler Tag der Biodiversität gefeiert. Seit einiger Zeit sind bei Umwelt & Geoservices der DB E&C zwei zertifizierte Baumkletterer:innen im Einsatz. Ihre Aufgabe ist der Schutz von Abendsegler, Waldkauz, Eremit, Haselmaus & Co.

Isabelle Korschefsky beim Aufstieg in einen Baum im Rahmen des Projekts Ringschluss Los 1 vorgezogene IBN Schwaigerloh der DB Netz AG. Um sich möglichst frei im Baum bewegen zu können, wird das Kletterseil möglichst weit oben im Baum eingebaut.

Eines müssen Isabelle Korschefsky und Max Kieckbusch in ihrem Job bei DB Engineering & Consulting in jedem Fall sein: schwindelfrei. Denn der Arbeitsplatz der Biologen sind die Baumwipfel im Umfeld von geplanten Baumaßnahmen der DB. Korschefsky und Kieckbusch kümmern sich darum, dass bei geplanten Baumfällungen oder beim notwendigen Rückschnitt der Schutz der für ein intaktes Ökosystem wichtigen oder vom Aussterben bedrohten Tierarten berücksichtigt wird. Oder anders gesagt: „Wir erkunden und dokumentieren das, was vom Boden aus nicht möglich ist“, so Korschefsky. Und Kieckbusch ergänzt: „Durch unsere Arbeit übernehmen wir praktisch die Vogelperspektive bei der qualitativen und rechtssicheren Beurteilung von Bäumen hinsichtlich ihrer Versteckmöglichkeiten gerade für geschützte Arten. Denn das wird von Behörden und auch Umweltverbänden bei Planungen mittlerweile verstärkt gefordert.“

Jede Menge Equipment

Um in die luftigen Höhen aufsteigen zu können, kommt allerlei Equipment zum Einsatz, wie Seile, Fußsteigklemmen und Klettergurt. Bei der Suche nach den Verstecken der verschiedenen Tierarten in den Baumwipfeln helfen dann Endoskopkameras, Taschenlampen und natürlich eine gute Portion Akrobatik und eine Menge Entdeckergeist. Wesentliche Kriterien in der Job-Beschreibung als Baumkletter:in sind zudem jahrelange Erfahrungen im Seilklettern und in der artenschutzrechtlichen Bewertung von naturschutzfachlich wertvollen Bäumen – sogenannten Habitatbäumen. Denn nur mit diesen Expertisen können im Zuge der umweltfachlichen Bauüberwachung von Projekten aber auch schon in vorgelagerten Planungsphasen fundierte Aussagen darüber gemacht werden, ob und welche Tierarten davon betroffen sind. Kieckbusch: „Das ist wichtig, um rechtzeitig entsprechende Schutz-oder Ausgleichmaßnahmen mit der zuständigen Naturschutzbehörde vereinbaren und umsetzen zu können.“

Der Biologe Max Kieckbusch baut mittels einer großen Wurfschleuder das Wurfseil ein, um anschließend das Aufstiegseil im Baum einzubauen. Projekt: Erdinger Ringschluss Los 1 vorgezogene IBN Schwaigerloh der DB Netz AG.

Kieckbusch und Korschefsky klettern für die DB Engineering & Consulting auf Bäume, damit letztlich eine zielführende Lösung bei Planungs- und Bauvorhaben gefunden werden kann. So können Baumfällungen oft problemlos freigegeben werden, wenn keinerlei Hinweise auf Verstecke von geschützten Tierarten gefunden wurden. Wobei unbesetzte, aber dennoch geeignete Schlupflöcher, wie Baumhöhlen, dann mit Folien verschlossen werden, so dass auch bei der Fällung sichergestellt ist, dass sich keine Tiere in den Bäumen befinden. „Oft stellt sich aber auch heraus, dass eine potenzielle Baumhöhle bei der genauen Inspektion aus der Nähe dann doch nur eine Flechte ist“, so Kieckbusch. „Kostspielige Ausgleichsmaßnahmen können dann vermieden werden.“

Klettern für den Artenschutz

Vor allem bei sehr alten Baumbeständen ist die Begutachtung aus der Nähe wichtig. Denn hier ziehen häufig diverse Fledermaus-, Vogel- und Käferarten in Höhlen oder Nischen, wie beispielsweise in Specht- und Mulmhöhlen sowie unter Rindenspalten, ihre Jungtiere groß oder suchen Schutz vor Witterungseinflüssen. Da viele Fledermausarten, aber auch höhlenbewohnende Vogelarten mit Bestandseinbußen zu kämpfen haben, sind artenschutzrechtliche Baumkontrollen inzwischen zwingend erforderlich. „Für Fledermäuse kann eine Baumhöhle manchmal erst 60 Jahre nach der Baumpflanzung als Quartier durch bspw. Spechte entstanden sein. Das verdeutlicht auch, warum das Fällen sehr alter Bäume gut überlegt sein sollte“, erklärt Kieckbusch.

Baumkletterer Kieckbusch und seine Kollegin Isabelle Korschefsky sind inzwischen bayernweit bei sechs Projekten der Deutschen Bahn im Einsatz gewesen und haben dabei an die 70 Bäume in luftiger Höhe auf ihre Bewohner hin inspiziert. Ihre Erkenntnisse flossen in  artenschutzrechtliche Gutachten oder in die Umsetzung im Zuge der umweltfachlichen Bauüberwachung ein. Auf Klettertour zum ihrem jeweiligen Arbeitsplatz 15 bis 25 Meter über dem Boden gehen die beiden Biologen dabei stets gemeinsam, um einander im Notfall absichern und beim Abstieg helfen zu können.

Kontakt

Natalie Kendzia
Leiterin
Marketing & Kommunikation
DB Engineering & Consulting
Torgauer Straße 12-15
10829 Berlin
Deutschland
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