FachthemenProjekte

Schienennetz Europa: Von Finnland bis ans Mittelmeer

28.06.2021 – 09:55

Ein Europa ohne Barrieren: Das ist das Ziel des EU-Programms zu Transeuropäischen Netzen (TEN). Zahlreiche Verkehrskorridore verbinden den Kontinent auf Schienen, Straßen und Wasserwegen. Der längste von ihnen ist der Skandinavien-Mittelmeer-Korridor, der von der finnisch-russischen Grenze bis nach Malta eine Nord-Süd-Achse durch Europa bildet. In unserer Reihe zum Europäischen Jahr der Schiene widmen wir uns heute diesem herausragenden Verkehrsprojekt.

Im Juli 1996 formuliert die Europäische Union ein ehrgeiziges Ziel: den Aufbau eines transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN-V, Englisch: TEN-T), das den gesamten Kontinent nahtlos verbindet. So sollen der Binnenmarkt gestärkt und nachhaltige Transportwege geschaffen werden. Dabei kommt der Bahn eine zentrale Bedeutung zu: Kein anderer Verkehrsträger ist so umweltfreundlich und effizient.

Neun Korridore für ein transeuropäisches Netz

Das Projekt wird immer wieder überarbeitet, in seiner jetzigen Form besteht es seit 2013. Aus dem „Flickenteppich“ der Verkehrswege, so das Europaparlament, soll ein „integriertes Verkehrsnetz“ werden, das Personen und Güter auf dem gesamten Kontinent transportiert. Dazu wird das TEN-V-Projekt in zwei Ebenen unterteilt und mit einem Zeitrahmen versehen: Das Gesamtnetz, das alle Regionen der EU miteinander verknüpft, wird bis 2050 ausgebaut. Die strategisch wichtigsten Abschnitte sollen schon 2030 ein integriertes Kernnetz bilden.

Dieser Kern besteht aus insgesamt neun „multimodalen Korridoren“. Sie dienen dazu, den Streckenausbau international zu koordinieren, Interessenträger zusammenzubringen und Ressourcen zu bündeln. „Multimodal“, weil die Korridore die Verkehrsträger Schiene, Straße und Wasserweg miteinander verbinden. Von Norwegen bis nach Süditalien, von der Atlantikküste bis ans Schwarze Meer reichen die Routen mit allein rund 15.000 Schienenkilometern über ganz Europa. Sechs der neun TEN-Kernnetz-Korridore verlaufen durch Deutschland – mehr als durch jeden anderen EU-Staat.

Der Aufbau des europäischen Schienennetzes ist ein aufwendiger Prozess. Hürden zwischen den Verkehrsträgern und Infrastrukturen werden abgebaut. Engpässe müssen beseitigt, Brücken gebaut, Straßen und Schienen modernisiert werden. Spurweiten, Stromsysteme und Sicherheitskonzepte werden angeglichen. Die EU subventioniert den Ausbau und formuliert Leitlinien. In Deutschland ist das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur verantwortlich für Gesetzgebung und finanzielle Förderung. Die DB Netz AG setzt sie im Auftrag der Regierung um.

Europäische Integration auf der Schiene

Der längste der neun Korridore verbindet gleich acht Länder: Von Finnland, Schweden und Norwegen aus führt der Skandinavien-Mittelmeer-Korridor in mehreren Abzweigungen durch Dänemark, Deutschland und Österreich und reicht im Süden bis nach Sizilien. Über eine sogenannte Meeresautobahn verbindet er Malta mit dem Festland und schafft so bequeme und effiziente Verkehrswege für weniger zentral gelegene Länder. Der Skandinavien-Mittelmeer-Korridor hat auch wirtschaftlich große Bedeutung: Er verbindet die Ballungsräume und Seehäfen Nordeuropas und Norddeutschlands mit den wichtigen Industriestandorten Süddeutschlands und Norditaliens sowie dem Brennerpass. Im Süden erschließt er mit den italienischen Häfen Routen für den Güterverkehr über die Grenzen Europas hinaus.

Die DB Engineering & Consulting ist u.a. mit Planungs– und Bauüberwachungsleistungen an der Umsetzung verschiedener Bauprojekte auf dem Skandinavien-Mittelmeer-Korridor beteiligt. Dazu zählt unter anderem der Ausbau der Strecke Berlin – Rostock und die Modernisierung der Bahnknoten Halle (Saale) und Bamberg. Auch Großprojekte, zum Beispiel entlang der Strecke Berlin – Nürnberg (VDE 8), sind Teil des TEN-Projektes.

Eines der wichtigsten aktuellen Vorhaben ist die Schienenanbindung der festen Fehmarnbeltquerung. Hinter dem etwas sperrigen Namen verbirgt sich die Verkehrsanbindung an der deutsch-dänischen Grenze. Kern des Vorhabens ist ein rund 1,7 Kilometer langer Absenktunnel zwischen Puttgarden auf Fehmarn und Rødby auf der dänischen Insel Lolland. Denn die in den 1960ern erbaute Fehmarnsundbrücke ist den wachsenden Anforderungen an den Verkehr zwischen Dänemark und Deutschland nicht mehr gewachsen, die Verbindung gilt als einer der zentralen Engpässe auf dem Korridor. Der neue Tunnel beschleunigt den Straßen- und Schienenverkehr. Am 1. Januar 2021 fand der symbolische erste Spatenstich statt, die Inbetriebnahme ist für 2029 geplant. Eine Folge: Die Zugfahrt von Hamburg nach Kopenhagen verkürzt sich von vier auf zwei Stunden. Die Brücke wird dann nur noch von Radfahrer:innen, Fußgänger:innen und landwirtschaftlichem Verkehr wie Traktoren genutzt.

Der Skandinavien-Mittelmeer-Korridor zeigt, was ein europäisches Schienennetz bewegen kann: Bequeme und schnelle Verkehrswege helfen uns dabei, als Kontinent zusammenzuwachsen. TEN ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, an der wir als DB Engineering & Consulting jeden Tag mitarbeiten. So leisten wir unseren Beitrag zur Starken Schiene und machen sie zum zentralen Verkehrsweg in ganz Europa.

Kontakt

Natalie Kendzia
Leiterin
Marketing & Kommunikation
DB Engineering & Consulting
Torgauer Straße 12-15
10829 Berlin
Deutschland
E-Mail030 297-69901

Unsere News-Kategorien

Verpassen Sie keine aktuellen News!

Folgen Sie uns